Beratung für mich! Beratung vor Ort!

Im Rahmen der Beschäftigung mit der Erhöhung der Zugänglichkeit unseres Beratungsangebotes für Menschen mit Behinderungen und der konkreten Beratung von Frauen mit Behinderungen in den letzten Jahren, wurde zunehmend deutlich, dass Frauen mit Behinderungen häufig kein ausreichendes Unterstützungsangebot haben, wenn es um sexualisierte Gewalt geht und dass die Informationen zu den Beratungsangeboten häufig nicht passgenau und bedarfsgerecht sind.

Das Ergebnis unserer auf Vernetzung ausgerichteter Projekte war:

Frauen und Mädchen mit Behinderungen wünschen sich und brauchen zugehende Beratung - Zuhause oder in der Einrichtung. Hierfür bedarf es eines ganz neuen Konzeptes und hier setzt das Projekt „Beratung für mich! Beratung vor Ort! Pro-Aktive Beratung für Frauen und Mädchen mit Behinderungen.“ an.

Das Projekt hat zum Ziel, in der Stadt Marburg und Landkreis Marburg-Biedenkopf den Bereich der Informationsvermittlung mit einem neuen Beratungskonzept zu erweitern und so eine bedarfsgerechte Beratungslandschaft zu schaffen, welche den Bedürfnissen von Frauen mit Behinderungen gerecht werden kann.

Der Schwerpunkt des Projektes ist die Entwicklung eines zugehenden und pro-aktiven Beratungsangebotes. Der Zugang in die Beratungsstellen und Frauennotrufe ist für Frauen und Mädchen mit Behinderungen immer noch mit Hürden unterschiedlichster Art verbunden.

Hier setzt das Projekt an: Die Neuerungen im Bereich des Gewaltschutzes sollen in Form von verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Frauen und Mädchen mit Behinderungen zugänglich gemacht werden. Das Projekt will mit der Entwicklung eines Konzeptes für eine „Beratung vor Ort“ ein breites Angebot für die unterschiedlichsten Formen von Behinderungen schaffen. Welche Formen diese Zugehende Beratung haben kann, wird in dem Projekt erprobt und in Kooperation mit Frauen und Mädchen mit Behinderungen sowie in Rückgriff auf die bereits bestehenden Vernetzungsstrukturen entwickelt.

Weiter sollen gemeinsam mit Frauen mit Behinderungen passgenau die Informationen darüber, was sexualisierte Gewalt ist und über die zugehenden Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten bei erlebter sexualisierter Gewalt erarbeitet und zugänglich gemacht werden.

Wir möchten nach den jeweiligen Bedarfen ausgerichtete Informationsmaterialien erarbeiten und zur Verfügung stellen, die u.a. die Änderungen der Gesetzesnormen in Bezug auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wie zum Beispiel die Reform des §177 Strafgesetzbuch oder auch die Neuerung eines gesetzlichen Anspruchs auf Psychosoziale Prozessbegleitung erläutern.

Mit der Gesetzesgrundlage zu psychosozialer Prozessbegleitung ist eine Grundlage geschaffen worden, welche Opfer von Straftaten eine Begleitung zu Polizei und Gericht ermöglicht. Die Umsetzung in Bezug auf die besonderen Bedürfnislagen von Frauen mit Behinderungen ist hierbei jedoch noch völlig offen.

Das Projekt „Beratung für mich! Beratung vor Ort! Pro-Aktive Beratung für Frauen und Mädchen mit Behinderungen.“ hat am 01. März 2017 begonnen und wird noch bis zum 31. Dezember 2017 vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration finanziert.

Projektziele

  • Entwicklung und Implementierung Zugehender Beratung für Frauen mit kognitiven und körperlichen Behinderungen
  • Nachhaltige Verbesserung des Beratungs- und Unterstützungsangebotes für Frauen und Mädchen mit Behinderungen durch Beratung vor Ort
  • Kooperation mit den bereits in diesem Bereich tätigen Akteur_innen und Ausnutzung der bereits angestoßenen Kooperationen
  • Vorstellung des Pro-aktiven Ansatzes durch flankierende Öffentlichkeitsarbeit
  • Sensibilisierung für die spezifischen neuen Problemlagen von Frauen und Mädchen mit Behinderungen bei erlebter Gewalt bezogen auf die neuen Gesetzesgrundlagen

  Maßnahmen:

  • Entwicklung eines Konzeptes für ambulante Beratung „Beratung vor Ort“
  • für Frauen mit kognitiven Einschränkungen (vor Ort in einer Einrichtung)
  • für Frauen mit Körperbehinderungen (barrierefreie Beratung)
  • Umsetzung der „Beratung vor Ort“ an einem einem Standort, d.h. einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen.
  • Umsetzung der Beratung vor Ort bei einzelnen Ratsuchenden mit Körperbehinderungen
  • Erstellung von barrierefreien Informationsmaterialien zu dem Beratungsangebot
  • Erstellung einer entsprechenden ersten barrierefreien Projekt-Webpräsens.
  • Barrierefreier Ratgeber für Frauen mit Behinderungen zum Thema Anzeige nach Vergewaltigung – insbesondere unter Berücksichtigung der aktuellen Veränderungen im Strafgesetz zum Einsatz in der Beratung vor Ort.

 

Es ist geplant, das Projekt mit weiteren Maßnahmen im Jahr 2018 fortzuführen.